Produktbilder erstellen: Der effiziente Workflow von Planung bis Shop
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Sabrina Schaub
05 / 05 / 26·10 Min read
Process Optimization
Guide für perfekte Produktbilder: Was zwischen Shooting und Ausspielung zählt
Warum das perfekte Produktbild über Kauf oder Abbruch entscheidet
Auf Marktplätzen, Social-Media-Plattformen und in Webshops konkurrieren unzählige Produkte um die Aufmerksamkeit potenzieller Käufer:innen. Wer das Rennen macht, entscheidt oft das Produktbild innerhalb eines Wimpernschlags: Beim Betrachten einer Website reagiert das Gehirn innerhalb von 13 Millisekunden1 auf visuelle Reize und fällt bereits nach 50 Millisekunden ein Urteil.2
So beeinflussen Produktbilder E-Commerce-KPIs
Neben Produktbewertungen zählen Produktbilder zu den stärksten Einflussfaktoren auf die Kaufentscheidung.3 Sie bieten Orientierung im Entscheidungsprozess und helfen Nutzer:innen, Produkte auch ohne haptische Reize zu verstehen. Auf Produktdetailseiten sind sie damit ein wichtiger Faktor für User Experience und Conversion-Rates. Über 60 % der Händler:innen sagen außerdem, dass hochwertige Produktbilder dazu beitragen, die Retourenquoten zu reduzieren.4
Für die Wirkung von Produktbildern ist die Qualität entscheidend. Allerdings besteht die Kunst darin, hohe Bildqualität mit kurzen Ladezeiten zu verbinden. Denn zu große Bilder verschlechtern die Nutzungserfahrung, indem sie die Shop-Performance ausbremsen. So hängen Ladezeit und Conversion zusammen:
- 45 % der User kaufen seltener auf Seiten, die länger laden als erwartet.5
- Bei einer Ladezeitoptimierung von 0,1 Sekunde steigt die Conversion-Rate um 8,4 % und der Warenkorbwert um 9,2 %.6
- Eine Verbesserung der Ladezeit von 5 auf 1 Sekunde steigert die Conversion-Rate um das 2,5-Fache.7
Produktbilder stärken das Vertrauen von Usern
Für 98 % der Verbraucher:innen sind authentische Bilder ausschlaggebend dafür, ob sie einem Shop vertrauen.8 Vorsicht ist bei der KI-Bild-Erstellung geboten: Von unnatürlich wirkenden KI-Bildern fühlen User sich schnell getäuscht. Vor allem KI-Bilder mit Personen bewerten Kund:innen kritisch.9
Deshalb sollten Händler:innen KI gezielt einsetzen: für skalierbare Prozesse wie Bildvarianten, Metadaten oder Lokalisierung – während authentische Produktdarstellungen weiterhin im Fokus stehen. Stattdessen sollten Sie lieber auf User Generated Content und Herstellerfotos setzen oder eigene Produktbilder erstellen.
Schritt 1: Shooting planen und Produktbilder erstellen
Qualität und Konsistenz sind entscheidend für markenkonforme und konversionsstarke Produktbilder. Die Basis dafür ist ein effizienter Workflow, der nicht erst beim Shooting beginnt, sondern bereits in der Planung
Zielgruppe und Bildsprache definieren
Noch bevor das erste Bild geschossen wird, sollte feststehen, welche Produkte für wen und für welche Kanäle fotografiert werden, und wie die Bilder am Ende aussehen sollen:
- Ein visueller Styleguide stellt eine einheitliche Farbpalette sicher und gibt die grobe Richtung für Bildstimmung und Bildsprache vor.
- Klare Marken-Guidelines sorgen dafür, dass sich die Produktbilder am Ende nahtlos in den Shop einfügen und auf externen Plattformen Wiedererkennung bei der Zielgruppe schaffen.
- Klären Sie vorab, welche Bildrichtlinien für die geplanten Zielkanäle gelten.
- Stimmen Sie die Bildsprache auf die Zielgruppe ab: Dynamische Kompositionen für junge Zielgruppen, ruhige, klare Bilder für ältere Zielgruppen.
- Referenzbilder und Moodboards sparen später beim Set-Aufbau Zeit.
Bildtypen festlegen
Je nach Einsatzort und Zweck der Produktbilder kommen verschiedene E-Commerce-Bildtypen infrage:
| Bildtyp | Beschreibung | Geeignet für |
| Freisteller (Packshots) |
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| Detailaufnahme |
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| 360-Grad-Produktbild |
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| Kurzvideo |
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| Lifestyle-Bild (Milieubild) |
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Shotlist erstellen
Sobald die Produkte, Ziele und Bildtypen feststehen, beginnt die Shooting-Planung. Für effiziente Prozesse am Set sorgt eine Shotlist, die normalerweise bei Filmproduktionen zum Einsatz kommt. In einer vereinfachten Variante lassen sich darin wichtige Details für die Produktfotografie festhalten:
- Welche Produkte werden wie geshootet?
- Welche Details und Funktionen müssen dargestellt sein?
- Welche Winkel, Ansichten und Kamera- und Lichteinstellungen sind gewünscht?
- Wie soll das Produkt bei Lifestyle-Fotos in Szene gesetzt sein?
- Welches Zubehör wird benötigt?
Um Größenreferenzen darzustellen kann es helfen, das Produkt neben Alltagsgegenständen abzulichten, für ein 360-Grad-Produktbild wird ein Drehteller benötigt.
Damit die Produktbilder später korrekt bearbeitet und zugeordnet werden können, sollte die Shotlist während des Shootings aktualisiert werden. Das ist auch wichtig, um beim nächsten Shooting den Look reproduzieren zu können.
Zur Planung gehört auch, Verantwortlichkeiten und Logistik zu klären: Wer ist Ansprechpartner für welches Produkt? Sind die Produkte bereits am Set oder im Lager? Wer übernimmt welche Aufgabe am Set? Je früher der Plan steht, desto besser.
Produkte, Set und Licht vorbereiten
Um die Produkte am Shooting-Tag von ihrer besten Seite zu präsentieren, ist beim Stylen und Positionieren Sorgfalt gefragt: Flecken, Falten, Fingerabdrücke, Staub oder Etiketten haben hier nichts zu suchen.
Das passende Licht-Setup hängt vom Produkt und seiner Beschaffenheit ab. Auf Lifestyle-Fotos wirkt diffuses Tageslicht oft besonders natürlich. Produkte lassen sich mit Softboxen in diffuses Kunstlicht tauchen und Hilfsmittel wie Spiegel oder helle Oberflächen helfen beim Ausleuchten.
Konsistenz sicherstellen
Eine konsistente Bildsprache schafft Vertrauen und stärkt Ihre Markenidentität. Für einen durchgängigen Look sorgen:
- ein weißer oder neutraler Hintergrund,
- ein konsistenter Weißabgleich und eine gleichbleibende Lichtquelle
- ein Stativ, das während des Shootings und bei Folge-Shootings in identischer Position bleibt
- einheitliche Aufnahmewinkel, etwa 45-Grad-Winkel für Marktplatzbilder oder die Vogelperspektive für Flat-Lays
Konsistenz ist kein Zufall, sie ist das Ergebnis klar definierter Prozesse.
Schritt 2: Produktbilder bearbeiten
Damit Produktbilder am PC, auf dem Smartphone, im eigenen Webshop und auf Plattformen wie Amazon oder eBay eine gute Figur machen, müssen sie passend formatiert und positioniert werden. Deshalb stehen in der Postproduktion optische und technische Bearbeitungen im Fokus.
Postproduktion: Freistellen, retuschieren, korrigieren
Ein gut geplantes Shooting spart in der Nachbearbeitung Zeit. Einige Handgriffe sind dennoch notwendig. Zunächst werden die Bilder einer Produktserie im Batch bearbeitet, um Konsistenz bei Farbstimmung, Belichtung und Kontrast zu erreichen.
Anschließend geht es in die Einzelbearbeitung, in der Bilder freigestellt und kleinere Schönheitsfehler korrigiert werden können. Beim Retuschieren gilt, weniger ist mehr: Zu starke Abweichungen vom Originalprodukt quittieren Käufer:innen mit Retouren.
Tipp: Eine Checkliste mit den wichtigsten Bildrichtlinien sorgt dafür, dass auch der Feinschliff schnell erledigt ist.
Technische Bearbeitung: Formatieren, komprimieren, strukturieren
Damit Shopsysteme, Suchmaschinen und Systeme wie Digital Asset Management (DAM) und Product Information Management (PIM) problemlos auf die Bilder zugreifen können, benötigen auch die nicht sichtbaren Bereiche eine Bearbeitung.
Für die richtige Darstellung auf Produktseiten und für die Shop-Performance ist die Wahl des Dateiformats wichtig:
- JPEG: Für Fotos mit vielen Farben und weichen Verläufen
- PNG: Für Grafiken mit klaren Kanten oder Bildern mit Transparenz
- WebP: Für schnelle Ladezeiten
- AVIF: Für Situationen, in denen noch stärkere Kompression gefragt ist, unterstützt Transparenz, HDR und Animationen, ist jedoch nicht mit allen Umgebungen kompatibel
Dateiformat und Bildkompression sollten so gewählt sein, dass die Produktbilder mit kleiner Größe die größtmögliche Bildwirkung erzielen. Da Retailer über die Hälfte ihres Onlineumsatzes über das Smartphone erzielen,10 sollten Produktbilder responsiv in den Shop geladen werden, also in mehreren Bildvarianten für unterschiedliche Endgeräte.
Damit Produkte und Bildvarianten nicht durcheinandergeraten, sollten Dateinamen und Alt-Texte sauber gepflegt sein. Ein guter Alt-Text beschreibt kurz, welches Produkt zu sehen ist, während der Dateiname den Produktnamen, die Artikelnummer und Keywords wie „Freisteller“ oder „Seitenansicht“ enthalten sollte. Das vereinfacht die Bildverwaltung, verbessert die Barrierefreiheit des Shops und unterstützt Suchmaschinen.
Tipp für noch bessere Produktbild-SEO: Auf Produktdetailseiten können strukturierte Daten wie ImageObject helfen, Bild- und Produktinformationen für Suchmaschinen sauber lesbar zu machen.
Schritt 3: Platzierung im Shop
Nach der optischen und technischen Optimierung müssen Produktbilder so im Shopsystem platziert werden, dass sie je nach Kanal, Sprache und Gerät optimal wirken. Zu den wichtigsten Aufgaben gehören dabei die Metadatenpflege, das Variantenmanagement und die reibungslose Übergabe ins Shopsystem.
Metadaten, Varianten und Kanalregeln
Bei Produktbildern unterscheidet man zwischen Masterbildern und Renditions. Bei diesen Varianten für Kanäle wie Mobile-App oder Social Media werden spezifische Anpassungen bei Seitenverhältnissen, Hintergründen oder Größen vorgenommen.
Damit Bilder nur so lange genutzt werden, wie sie aus rechtlicher Sicht dürfen, müssen Fragen zu Bildrechten und Lizenzen geklärt sein. Ohne zentrale Steuerung entstehen hier schnell Inkonsistenzen und manueller Mehraufwand.
So gelingt die Übergabe an das Shopsystem, effizient und fehlerfrei
Die fertigen Produktbilder können Sie nun in Ihr Shopsystem laden. Gerade bei vielen Produktvarianten oder grenzüberschreitendem E-Commerce ist das leichter gesagt als getan. Die folgenden Best Practices zeigen, wie es einfach geht.
- Vorlagen mit genauen Angaben zu den Kanalanforderungen stellen sicher, dass Produktbilder in verschiedenen Kanälen und Marktplätzen richtig dargestellt werden.
- Ein klarer Freigabeprozess hilft zusätzlich, Fehler zu reduzieren: Definieren Sie, welche Prüfaufgaben das E-Commerce-Team übernimmt und wann die Marketing- und Product-Kolleg:innen die Markenkonformität und fachliche Details prüfen sollten.
- Sollen regelmäßig Produktbilder erstellt und platziert werden, kann ein DAM wie pixx.io den Bild-Workflow vereinfachen. Ein solches System erleichtert wiederkehrende Schritte wie die Versionierung, die Pflege der Metadaten, das Erstellen von Renditions und die Batch-Übergabe an den Shop.
- Ein PIM wie ATAMYA unterstützt Sie dabei, Produktbilder und produktnahe Infos wie Farben und Größen einfacher zu organisieren und zuzuordnen. Es verbindet Produktdaten, Bilddaten und Prozesse zentral und sorgt dafür, dass Informationen automatisiert, konsistent und kanalübergreifend ausgespielt werden.
KI-Unterstützung für Fleißaufgaben
Für wachsende Sortimente und internationale Märkte kann KI ein entscheidender Hebel sein. Damit lassen sich zum Beispiel Bildbeschreibungen und Alt-Texte automatisiert erstellen oder für die Lokalisierung in mehrere Sprachen übersetzen. So bleibt die Bildverwaltung effizient, auch wenn Kanäle und Märkte wachsen.
Praxisbeispiel für einen effizienten Produktbild-Workflow
In einem Online-Shop für Fahrradzubehör könnte der Produktbild-Workflow wie folgt ablaufen:
- Das E-Commerce-Team braucht Produktbilder für neue Fahrradschlösser in verschiedenen Varianten. Geplant sind Freisteller, Detailaufnahmen und ein bis zwei Bilder der Schlösser am Fahrrad.
- Auf Basis der Anforderungen und mit Produktdaten aus dem PIM erstellt das Team eine Shotlist und fotografiert die Produkte.
- Nach der Postproduktion lädt das Team die Fotos ins DAM. Dort vergibt es Metadaten und Alt-Texte und legt Renditions an.
- E-Commerce, Marketing und Produktverantwortliche prüfen Formate, Markenwirkung und fachliche Details, bevor die Bilder ins Shopsystem übertragen und publiziert werden.
- Regelmäßige KPI-Reviews zeigen, wie sich die Conversion-Rates auf den Detailseiten der Produkte und die Retourenquote entwickeln, und liefern Learnings für das nächste Shooting.
Alle Schritte greifen ineinander: Planung, Produktion, Datenmanagement und Ausspielung.
Fazit: Weniger Rework und mehr Effizienz
Das perfekte Produktbild erfordert keine teuren Tools oder aufwendige Shootings. Entscheidend ist ein sauber aufgesetzter Produktbild-Workflow mit Checklisten, strukturierten Bildrichtlinien und klaren Verantwortlichkeiten. Dadurch müssen Marketing- und E-Commerce-Teams weniger Rework vornehmen und erreichen stattdessen mehr Tempo bei Produktlaunches, höhere Konsistenz beim Branding und eine bessere Shop-Performance. Unternehmen, die ihre Produktdaten und Bildprozesse zentral steuern, schaffen die Grundlage für skalierbaren E-Commerce. Wie Sie dieses Potenzial mit PIM und DAM gezielt nutzen, erfahren Sie in unserem Beitrag „PIM und DAM: Die Erfolgsfaktoren für Ihr Business“
Author:
Sabrina Schaub
Texterin at pixx.io
Quellenverzeichnis:
1 Quelle: sience.org
2 Quelle: tandfonline.com
3 Quelle: splendid-research.com
4 Quelle: textilwirtschaft.de
5 Quelle: thinkwithgoogle.com
6 Quelle: thinkwithgoogle.com
7 Quelle: portent.com
8 Quelle: gettyimages.com
9 Quelle: fh-muenster.de
10 Quelle: einzelhandel.de
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