Ihr neuer Kunde ist eine KI: Willkommen im Agentic Commerce

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Autorenbild Sebastian Faber von ATAMYA

Sebastian Faber

09 / 04 / 26·6 Min Lesen

Digital Experience

Warum jetzt nicht mehr Ihre Produktseiten, sondern Ihre Daten entscheiden

Ihr Shop hat einen neuen Kunden. Und der scrollt nicht. Der denkt in Daten. Was zunächst wie ein Zukunftsszenario klingt, wird gerade Realität: KI-Agenten beginnen, Produktsuche, Auswahl und Kaufentscheidungen aktiv zu unterstützen oder sogar vorzubereiten. Das verändert den digitalen Handel grundlegend.

Für Unternehmen bedeutet das einen Perspektivwechsel. Produkte müssen nicht mehr nur für Menschen sichtbar und überzeugend sein. Sie müssen auch für Systeme verständlich, vergleichbar und bewertbar werden. Willkommen im Agentic Commerce. Für Unternehmen bedeutet das: Die Qualität Ihrer Produktdaten wird zur Voraussetzung dafür, überhaupt in KI-getriebenen Kaufprozessen vorzukommen.

 

Was Agentic Commerce wirklich bedeutet (und was nicht)

Agentic Commerce beschreibt ein Handelsmodell, in dem KI-Systeme im Auftrag von Nutzer:innen Produkte suchen, filtern, vergleichen, bewerten und teilweise auch den nächsten Schritt bis hin zum Kauf anstoßen. Anders als klassische Such- oder Shop-Erlebnisse reagieren diese Systeme nicht nur auf einzelne Eingaben. Sie verfolgen ein Ziel, bewerten Optionen und führen Aufgaben entlang des Kaufprozesses aus. Genau in diese Richtung entwickeln sich derzeit neue Commerce-Schnittstellen, etwa über das Agentic Commerce Protocol (ACP) von OpenAI und das Universal Commerce Protocol (UCP) von Google.

Wichtig ist die Abgrenzung: Agentic Commerce ist nicht einfach klassischer E-Commerce mit Chatfunktion. Und auch nicht bloß Conversational Commerce. Bei Conversational Commerce kommunizieren Nutzer:innen mit einem System. Bei Agentic Commerce beginnt das System, auf Basis von Kontext und Ziel eigenständig zu handeln, zum Beispiel passende Produkte vorauszuwählen oder Entscheidungen vorzubereiten.

Ein Beispiel:

Eine Nutzerin beschreibt ihren Bedarf in einem KI-Interface. Der Agent analysiert Anforderungen, filtert passende Produkte, vergleicht Optionen und spricht eine fundierte Empfehlung aus. Die Entscheidung bleibt beim Menschen. Die Vorauswahl übernimmt die KI.

 

Warum Agentic Commerce jetzt relevant wird

Agentic Commerce ist kein ferner Trend. Die Infrastruktur entsteht bereits. Große Plattformen entwickeln aktuell neue Standards und Schnittstellen, über die Produktinformationen strukturiert für KI-Systeme bereitgestellt werden.

Gleichzeitig verschieben sich digitale Touchpoints: weg von klassischen Interfaces, hin zu dialogbasierten und assistiven Systemen. Das verändert die Spielregeln. Denn Sichtbarkeit entsteht nicht mehr nur dort, wo Menschen suchen, sondern auch dort, wo Systeme Entscheidungen vorbereiten.

Für Unternehmen heißt das: Wer in diesen neuen Kontexten nicht vorkommt, findet schlicht nicht statt.

 

Was sich jetzt konkret verändert

Bisher war die Produktseite das Zentrum der digitalen Produktkommunikation. Im Agentic Commerce verschiebt sich der Fokus. Entscheidend ist nicht allein, wie gut ein Produkt für Menschen inszeniert ist. Entscheidend ist auch, wie klar ein System das Produkt erfassen kann. Das hat direkte Auswirkungen auf zentrale Rollen im Unternehmen:

  • E-Commerce muss sicherstellen, dass Produkte über alle Kanäle hinweg vollständig, aktuell und konsistent verfügbar sind. Geschwindigkeit und Auffindbarkeit werden noch kritischer.
  • IT muss Systeme so aufstellen, dass Daten flexibel integriert, verarbeitet und ausgespielt werden können. Schnittstellen und Architektur entscheiden über Zukunftsfähigkeit.
  • Datenmanagement wird zur Schlüsselrolle. Struktur, Qualität und Governance sind nicht mehr „nice to have“, sondern geschäftskritisch.

Entscheidend für die Sichtbarkeit sind nicht mehr allein Rankings und Kampagnen, sondern die Qualität und Nutzbarkeit Ihrer Produktinformationen. Denn KI-Agenten kaufen nicht wie Menschen. Sie lassen sich nicht von einer schönen Hero-Bühne oder einem cleveren Claim überzeugen. Sie arbeiten datenlogisch. Ob ein Produkt empfohlen, verglichen oder priorisiert wird, hängt deshalb vor allem davon ab, ob Informationen klar vorliegen. Dazu gehören strukturierte Attribute, konsistente Benennungen, vollständige Angaben, aktuelle Verfügbarkeiten und verständliche Beziehungen zwischen Varianten, Artikeln und Produktfamilien.

Das verändert die Bewertung von Produktdaten grundlegend. Was heute unvollständig, inkonsistent oder verteilt in mehreren Systemen liegt, wird morgen zum Nachteil in KI-gestützten Kaufprozessen.

 

Warum plötzlich die Produktdaten entscheiden und nicht die Produktdarstellung

Produktdaten waren lange für viele Unternehmen vor allem eine operative Aufgabe. Sie mussten gepflegt, verteilt und aktuell gehalten werden. Im Agentic Commerce bekommen sie eine größere Rolle. Produktdaten werden zur Grundlage für Relevanz.

Denn wenn KI-Systeme Produktempfehlungen vorbereiten, zählen nicht nur Preis und Verfügbarkeit. Es zählt, ob ein Produkt maschinell eindeutig verstanden werden kann. Was ist das Produkt genau? Welche Merkmale hat es? Für welchen Anwendungsfall ist es geeignet? Welche Variante ist relevant? Welche Informationen sind belastbar? Genau hier zeigt sich die strategische Rolle von Product Information Management (PIM).

Ein modernes PIM wird in dieser Entwicklung zum Enabler. Nicht, weil es selbst der KI-Agent ist. Sondern weil es die Datenbasis schafft, auf der KI-Systeme überhaupt sinnvoll arbeiten können.

Wenn Produktinformationen über verschiedene Teams, Tabellen, Shopsysteme und Kanäle verteilt sind, fehlt die notwendige Konsistenz. Ein PIM schafft hier die zentrale Struktur: für Attribute, Varianten, Medien, Beschreibungen und kanalbezogene Ausleitungen. Genau darin liegt sein Wert für Agentic Commerce.

Moderne PIM-Lösungen wie die ATAMYA Product Cloud gehen dabei einen Schritt weiter. Sie schaffen nicht nur Ordnung. Sie ermöglichen skalierbare Prozesse, automatisierte Workflows und eine Architektur, die mit neuen Anforderungen wächst.

 

5 Dinge, die Sie jetzt angehen sollten

Die gute Nachricht: Agentic Commerce kommt nicht über Nacht. Die Grundlage dafür können Sie aber schon heute schaffen.

  • Der erste Schritt: Produktdaten zentralisieren. Solange Informationen in Silos liegen, werden sie weder für Menschen noch für Systeme zuverlässig nutzbar.
  • Der zweite Schritt: Produktdaten strukturiert und granular aufbauen. Statt Freitext braucht es klar definierte Attribute und Merkmale. Nur so bleiben Daten für Systeme interpretierbar und flexibel kanalabhängig ausspielbar.
  • Der dritte Schritt: Datenqualität zum laufenden Prozess zu machen. Vollständigkeit, Konsistenz und Aktualität sind keine einmalige Projektaufgabe, sondern eine operative Disziplin.
  • Der vierte Schritt: E-Commerce, IT und Datenmanagement müssen enger zusammenarbeiten. Agentic Commerce ist kein Thema für eine einzelne Abteilung. Es betrifft den gesamten Produktdatenprozess.
  • Der fünfte Schritt: Hierbei geht es um die technische Ausspielung. Wer künftig in KI-getriebenen Interfaces auftauchen will, muss seine Produktinformationen so bereitstellen können, dass externe Systeme sie zuverlässig interpretieren können.

Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Daten vorhanden sind, sondern wie sie verfügbar gemacht werden. Ein PIM bildet hier die Grundlage, um Produktinformationen über standardisierte Schnittstellen, APIs und Feeds flexibel in neue Systeme und Kontexte zu überführen.

 

Fazit

Agentic Commerce ist mehr als ein neuer Begriff im digitalen Handel. Es ist ein Hinweis darauf, dass sich Kaufprozesse gerade grundlegend verändern.

Produkte müssen künftig nicht nur überzeugen. Sie müssen verstanden werden – von Menschen ebenso wie von datengetriebenen Systemen, die vergleichen, bewerten und Entscheidungen vorbereiten.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Grundlage für Sichtbarkeit verschiebt sich. Weg von der reinen Produktdarstellung, hin zu strukturierten, konsistenten und zentral verfügbaren Produktdaten.

Wer heute beginnt, seine Daten und Prozesse sauber aufzusetzen, schafft die Voraussetzung, auch morgen noch relevant zu sein. Sowohl für Kund:innen als auch für die Systeme, die für sie entscheiden.

Autor:
Sebastian Faber
Senior Digital Performance & Marketing Operations Manager
ATAMYA

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